Pres­se­mit­tei­lung

2026 / 0161 - 02.09.2026

Dahme-Spreewald macht das Weimarer Dreieck vor Ort erlebbar

Große europäische Ideen brauchen Orte, an denen sie Wirklichkeit werden. Im Weimarer Dreieck sind dies vor allem die Regionen, Landkreise, Städte und Gemeinden. Hier begegnen sich Menschen, Verwaltungen arbeiten über Grenzen hinweg zusammen und aus politischen Zielen entstehen konkrete Projekte. Wie das gelingen kann, zeigte der Landkreis Dahme-Spreewald beim II. Runden Tisch des Weimarer Dreiecks am 29. August 2026 in Weimar.

35 Jahre nach der Gründung des Weimarer Dreiecks kamen in der Weimarhalle Vertreterinnen und Vertreter aus Deutschland, Frankreich und Polen zusammen. Der Runde Tisch bildet das strategische Zentrum des 12-Säulen-Netzwerks des Weimarer Dreieck e. V. In den Bereichen Europa, Nationen, Regionen, Kommunen, Stiftungen, Vereine, Jugend, Initiativen, Wirtschaft, Erinnerung, Wissenschaft sowie Kunst und Kultur werden Erfahrungen gebündelt, gemeinsame Vorhaben entwickelt und neue Kooperationen auf den Weg gebracht.

Landrat Sven Herzberger vertrat die Bereiche Regionen und Kommunen. Dabei machte er deutlich, dass eine dauerhafte deutsch-polnisch-französische Zusammenarbeit nicht allein auf nationaler Ebene entstehen kann. „Regionen und Kommunen sind die Ebene, auf der das Weimarer Dreieck vom politischen Rahmen zur gelebten Wirklichkeit wird. Hier begegnen sich Menschen, hier arbeiten Verwaltungen zusammen und hier entstehen gemeinsame Antworten auf wirtschaftliche, soziale und ökologische Herausforderungen“, erklärte Herzberger.

Der Landkreis Dahme-Spreewald übernimmt dabei seit vielen Jahren eine aktive Rolle. Das Fundament bildet die Partnerschaft mit dem Powiat Wolsztyński in der Woiwodschaft Wielkopolskie, die 2025 ihr 25-jähriges Bestehen feierte. In dieser Zeit entstanden verlässliche Beziehungen in den Bereichen Verwaltung, Feuerwehr, Gesundheit, Sport, Kultur, Jugend und Seniorenarbeit. Aus der deutsch-polnischen Partnerschaft entwickelte der Landkreis gemeinsam mit der südfranzösischen Gemeinde Cabestany schrittweise ein regionales Weimarer Dreieck.

Ein Beispiel dafür ist das von Jugendlichen entwickelte Projekt „Forest Yourself“. Drei Begegnungen führten junge Menschen aus Deutschland, Frankreich und Polen von der Lieberoser Heide über Cabestany bis nach Wroniawy im Powiat Wolsztyński. Sie beschäftigten sich gemeinsam mit Umwelt- und Klimaschutz, lernten die Lebensräume der Partnerregionen kennen und erlebten, dass europäische Zusammenarbeit ganz konkret vor Ort beginnt.

Mit dem ersten Weimarer Dreieck-Tag des Landes Brandenburg geht der Landkreis nun den nächsten Schritt. Am 14. Oktober 2026 bringt er gemeinsam mit dem Europaverein Dahme-Spreewald und zahlreichen Partnern in Lübben (Spreewald) Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Jugend, Kultur und Zivilgesellschaft zusammen. Die Schirmherrschaft übernimmt die Präsidentin des Landtages Brandenburg, Prof. Dr. Ulrike Liedtke. Gleichzeitig sind Schulklassen und die Öffentlichkeit eingeladen, Deutschland, Frankreich und Polen durch Sprache, Kultur und persönliche Begegnungen unmittelbar zu erleben.

Der Weimarer Dreieck-Tag soll mehr sein als eine einzelne Veranstaltung. Ziel ist ein dauerhaftes Format, das Partnerschaften sichtbar macht, neue Projekte anstößt und künftig auch von anderen Brandenburger Landkreisen, Städten und Gemeinden übernommen werden kann. Dahme-Spreewald versteht sich dabei als Impulsgeber für ein Weimarer Dreieck, das von den Regionen aus wächst und den Menschen einen konkreten Nutzen bringt.

Auch in weiteren Kompetenzbereichen brachte der Landkreis seine Erfahrungen ein. Die Europareferentin des Landkreises Dahme-Spreewald und stellvertretende Vorsitzende des Weimarer Dreieck e. V., Paulina Kleiner, stellte das deutsch-polnisch-französische Mädchenprojekt „Girls without Borders“ vor. Es wurde auf Grundlage der Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene entwickelt und verbindet Gleichstellung und Jugendbeteiligung mit internationaler Begegnung. Im Bereich Kunst und Kultur wurde zudem die vom Europaverein Dahme-Spreewald gemeinsam mit dem Landkreis im Schloss Neuhaus veranstaltete „Ode an die Freude“ als Beispiel lebendiger europäischer Kulturarbeit gewürdigt.

Begrüßt wurden die Teilnehmenden von Weimars Bürgermeister Ralf Kirsten, die Moderation übernahm Bärbel Grönegres. Zu den Mitwirkenden gehörten unter anderem die Europaabgeordnete Marion Walsmann, Gosia Binczyk von der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland, der polnische Botschaftsrat Michał Sarnicki, Stephan Erb vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk und Florence Gabbe vom Deutsch-Französischen Jugendwerk. Auch Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft wirkten mit, darunter Thomas Malcherek von der Handwerkskammer Erfurt, Prof. Dr. Bartosz Makowicz von der Europa-Universität Viadrina, Nadine Sternberg vom Deutschen Akademischen Austauschdienst und Prof. Dr. Andrea von Hülsen-Esch von der Deutsch-Französischen Hochschule.

Zum Abschluss unterzeichneten 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die „Erklärung des II. Runden Tisches des Weimarer Dreiecks – Gemeinsam Verantwortung für Europas Zukunft übernehmen“. Sie bildet die Grundlage für die weitere Vernetzung der zwölf Kompetenzbereiche und eine dauerhafte Zusammenarbeit zwischen Politik und Zivilgesellschaft. Im Anschluss nahm Landrat Herzberger an der Feierstunde zum 70. Jahrestag der Enthüllung des Adam-Mickiewicz-Denkmals sowie an der Festveranstaltung der Thüringer Staatskanzlei zum 35-jährigen Bestehen des Weimarer Dreiecks teil. Zu den Gästen gehörten unter anderem Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt und die Präsidentin des Landtages Brandenburg, Prof. Dr. Ulrike Liedtke.