Kriegsende und sowjetische Besatzung
Im April/Mai 1945 wurden Lübben, Luckau und der Raum des späteren Kreises Königs Wusterhausen unmittelbar zum Kriegsschauplatz, besonders durch die Kesselschlacht von Halbe mit zehntausenden Toten und massiven Zerstörungen. Luckau blieb als historische Stadt weitgehend erhalten, während Lübben von der deutschen Führung zur „Festung“ erklärt wurde und etwa 80 Prozent der Bausubstanz verloren gingen, einschließlich fast aller Gebäude am Markt. In Königs Wusterhausen richtete die Rote Armee ein Kriegsgefangenenlazarett ein, dessen Dienstplan aus Mai 1945 über einen streng strukturierten Tagesablauf der Verwundeten Auskunft gibt.
Die Sowjetische Militäradministration (SMAD) richtete in allen Kreisen Kommandanturen ein, die alle exekutiven Entscheidungen bestimmten. In Lübben entstand die Kommandantur in der Hindenburgstraße und regelte u. a. Waffenabgabe, Registrierung von Druckereien und Ausgangszeiten für Kraftfahrzeuge. Für den Luckauer Kreis wurden vier Rayonkommandanturen (u. a. Luckau, Finsterwalde, Golßen) geschaffen, die jeweils Dutzende Gemeinden beaufsichtigten.
Flüchtlinge, Versorgung und Gesundheit
Nach 1945 standen die Kreise vor der Aufgabe, große Flüchtlingsströme aus den Ostgebieten aufzunehmen, die häufig die Zahl der Einheimischen übertrafen. Im November 1945 waren im Kreis Luckau 26.027, im Kreis Lübben 8.766 Flüchtlinge registriert; in Teltow (Vorläufergebiet von Königs Wusterhausen) waren es 30.735. In Lübben war Wohnraum durch Kriegszerstörung besonders knapp: von rund 8.300 Wohnungen waren 6.550 nutzbar, 1.790 vorerst unbewohnbar. Im Kreis Luckau konnte man dagegen über 25.000 Wohnungen als nutzbar einstufen, was die Unterbringung erleichterte.
Zur Unterbringung wurden zahlreiche Sammellager eingerichtet, etwa im ehemaligen KZ Jamlitz (für den Lübbener Raum), das offiziell als Auffanglager, tatsächlich aber als sowjetisches Internierungslager genutzt wurde. Im Kreis Luckau diente das Schloss Bornsdorf als Sammelunterkunft, wo Berichte über marode sanitäre Zustände (defekte Toiletten, fehlende Waschgelegenheiten) vorliegen.
Die Ernährungslage war angespannt: Im Kreis Lübben wies der Kreisarzt 1945 auf starke Gewichtsverluste in der Bevölkerung hin, besonders bei Kindern und Alten. Landkreise führten zunächst eigene Lebensmittelkarten ein, die ab Oktober 1945 vereinheitlicht wurden, was für agrarische Kreise wie Luckau und Lübben eine Verschlechterung bedeutete, weil ihre Rationen niedriger angesetzt wurden. Landrat Hille in Lübben protestierte 1946 gegen ein überhöhtes Ablieferungssoll und warnte vor einer „Katastrophe“ für den Kreis, während Bauern dort auf Schwarzmarktbeziehungen mit Bauern im Kreis Luckau angewiesen waren, um Getreide zurückzuerhalten.
Im Gesundheitswesen mussten zerstörte oder zweckentfremdete Strukturen wiederaufgebaut werden. Das Krankenhaus in Luckau war durch Bombenschäden stark beeinträchtigt; Operationsräume konnten nur provisorisch weiter genutzt werden und eine Auslagerung von Patienten nach Waltersdorf war nötig. In Königs Wusterhausen wurden ein zusätzliches Krankenhaus und eine TBC-Heilstätte im Ortsteil Deutsch Wusterhausen eingerichtet, um dem hohen Patientenandrang zu begegnen. Als innovatives Modell für die ländliche Versorgung entstand 1948 im Golßener Schloss (Kreis Luckau) das Landambulatorium „Dr. Herbert Baer“ mit ärztlichen und zahnärztlichen Sprechzimmern, Labor, Röntgenraum und Entbindungsstation.
Bodenreform und ländlicher Raum
Die Bodenreform ab September 1945 veränderte die Agrarstruktur tiefgreifend. Großgrundbesitzer, als „Kriegsverbrecher“ eingestufte Personen und Landbesitz über 100 ha wurden entschädigungslos enteignet und Flächen an landarme Bauern, Landarbeiter, Umsiedler und nichtlandwirtschaftliche Arbeiter verteilt. Im Kreis Luckau wurden 65 größere Liegenschaften mit über 43.000 ha, im Kreis Lübben 60 mit über 35.000 ha in den Bodenfonds überführt. In beiden Kreisen erhielten landarme Bauern, Umsiedler und Landarbeiter mehrere tausend Hektar; im Kreis Luckau bekamen Umsiedler über 6.200 ha, im Kreis Lübben rund 2.570 ha.
Im Kreis Teltow, aus dem später der Kreis Königs Wusterhausen hervorging, betraf die Bodenreform zahlreiche Schlösser und Gutshäuser. Während kulturhistorisch wertvolle Bauten wie das Jagdschloss Königs Wusterhausen und das Gut Groß Machnow als Kategorie I vor Abriss geschützt wurden, fielen andere Herrenhäuser (z. B. in Bestensee-Marienhof, Egsdorf) Abrissplänen zum Opfer oder wurden in Heime und Verwaltungssitze umgewandelt. Im Kreis Lübben konnten einige Schlösser (z. B. Lieberose, Groß Leuthen) durch Umnutzung als Kinderheime oder Behördenstandorte vor der Zerstörung bewahrt werden.
In vielen Dörfern kam es zu Widerstand gegen die Übernahme von Neubauernland. Aus Gemeinden des Kreises Luckau wie Görlsdorf, Sellendorf oder Pretschen wird berichtet, dass Landarbeiter Bodenanteile ablehnten, weil die kargen Sandböden für Kleinbetriebe wenig Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg boten. Die spätere Kollektivierung (LPG-Gründungen ab 1952/53) kam in der Region zunächst nur zögerlich voran: Im Kreis Lübben entstand die erste LPG 1952 in Wittmannsdorf, weitere kleine Genossenschaften folgten etwa in Briesensee und Waldow, blieben aber weit unter dem DDR-Durchschnitt.
Verwaltung, Politik und SED-Machtaufbau
Unmittelbar nach Kriegsende wurden die Landratsämter neu aufgebaut und mit überwiegend antifaschistischen Funktionären besetzt. In Lübben übernahm August Hille (SED) ab Juni 1945 den Landratsposten, in Luckau wurde der Bürgermeister Karl Holland (SPD) zusätzlich Landrat, und in Teltow (als Vorgänger des Kreises Königs Wusterhausen) bekleidete Richard Meschkat (SED) dieses Amt. Die Landratsämter waren für nahezu alle Bereiche zuständig – von Flüchtlingsfragen über Ernährung bis zur Schulorganisation – und arbeiteten teils in enger, teils spannungsreicher Abstimmung mit der sowjetischen Kommandantur.
Mit den Kommunal- und Kreistagswahlen 1946 wurden Kreistage in Luckau, Lübben und Teltow gewählt, bei denen SED, CDU, LDP und die VdgB antraten. Im Kreis Luckau erreichte die SED 40,6 Prozent der Stimmen und 21 von 50 Sitzen, im Kreis Lübben 34,4 Prozent und 11 von 30 Sitzen; im Kreis Teltow lag die CDU mit 36,3 Prozent knapp vor der SED. Trotz dieser teils pluralen Ausgangslage setzte sich in allen drei Kreisen die SED durch die Besetzung zentraler Ämter (Landrat, Innenressort) und durch Einfluss über Massenorganisationen langfristig als dominierende Kraft durch.
Die Entnazifizierung führte zu massiven Personalwechseln. Im Kreis Teltow entschied eine Kommission 1947 in 571 Fällen über Beschäftigte des öffentlichen Dienstes, wobei 106 abgelehnt und 456 weiterbeschäftigt wurden. Im Landratsamt Lübben waren 1952 nur noch 29 von 274 Beschäftigten ehemalige NSDAP-Mitglieder, während zugleich SED-Mitglieder in Leitungspositionen vorrückten. In Luckau arbeiteten die Kreisverwaltungsmitarbeiter anfangs unbezahlt und konnten erst nach Einzug rückständiger Steuern vergütet werden.
In den späten 1940er Jahren verschob sich die Verwaltung schrittweise von kommunaler Selbstverwaltung hin zu einem zentralistischen System. Kommunalwirtschaftliche Betriebe, etwa Gas- und Wasserwerke oder Verkehrsbetriebe in Lübben, Luckau und Königs Wusterhausen, wurden in Kommunalwirtschaftsunternehmen (KWU) überführt, die direkt der Deutschen Wirtschaftskommission unterstanden. Mit der Haushaltsreform 1950 verloren die Kreise praktisch ihre Finanzhoheit, was insbesondere in finanzschwachen Kreisen wie Lübben die lokale Gestaltungsmacht drastisch einschränkte.
Kreisreformen, DDR-Strukturen und Alltag
Die Verwaltungsreform 1952 schuf neue Bezirke und eine neue Kreiseinteilung. Lübben und Luckau kamen in den Bezirk Cottbus, der neue Kreis Königs Wusterhausen (aus Teilen von Teltow, Fürstenwalde und Lübben) in den Bezirk Potsdam, wo er aus sicherheitspolitischen Gründen als „Puffer“ um West-Berlin lag. Der Kreis Lübben umfasste rund 806 km², Luckau etwa 703 km² und Königs Wusterhausen 725 km².
Der Kreistag blieb formal oberstes Organ im Kreis und beschloss Fünfjahrpläne, Jahrespläne und Haushalte. In der Praxis war er jedoch in das System des „demokratischen Zentralismus“ eingebunden und setzte vorrangig Vorgaben von Volkskammer, Ministerrat und Bezirk um. In Lübben, Luckau und Königs Wusterhausen spiegelte die Zusammensetzung der Räte des Kreises die SED-Führungsrolle: Vorsitzende wie Fritz Seifert und Engelbert Müller (Luckau) oder spätere langjährige Amtsinhaber wie Willi Werner (Königs Wusterhausen) wurden überwiegend aus der SED rekrutiert.
Auf Kreisebene etablierte sich eine Doppelstruktur von Partei- und Staatsapparat. SED-Kreisleitungen in Lübben, Luckau und Königs Wusterhausen überlagerten mit ihren Abteilungen (Organisation, Agitation, Landwirtschaft) die staatlichen Fachorgane und bildeten ein eigenständiges Kontroll- und Lenkungssystem. Daneben wirkten Betriebsparteiorganisationen in den Kreisverwaltungen und Vertrauensleute in Wohngebieten, die informell Einfluss auf lokale Entscheidungen ausübten.
Im Wirtschafts- und Alltagsleben vollzog sich ein Wandel von der Nachkriegsnot zur sozialistischen Normalität. In Lübben wurde der Wiederaufbau der zerstörten Innenstadt vorangetrieben und der Sitz des Rates des Kreises im Schloss etabliert; fotografische Beispiele zeigen das Kreisgebäude um 1950 und den Kreistagssaal. In Luckau und Königs Wusterhausen entstanden neue Infrastrukturprojekte wie Maschinen-Traktoren-Stationen (MTS), VEAB-Betriebe und später Neubauwohngebiete, etwa Plattenbausiedlungen in Lübben in den 1970er/80er Jahren.
Die Kreise betrieben den Ausbau von Gesundheits-, Bildungs- und Sozialeinrichtungen. In Königs Wusterhausen wurde das Kreiskrankenhaus modernisiert und erhielt zusätzliche Fachabteilungen; Lübben und Luckau richteten Kinderheime in ehemaligen Schlössern (z. B. Leibchel, Zeesen) ein und bauten die schulische Versorgung aus. Statistiken aus den 1970er/80er Jahren zeigen eine wachsende Ausstattung der Haushalte mit Fernsehern, Kühlschränken und Pkw, etwa im Kreis Lübben mit mehreren tausend PKW und hoher Fernsehdichte.
Späte DDR und friedliche Revolution
In den 1980er Jahren verschärften sich strukturelle Probleme, etwa in der Landwirtschaft und Versorgung. Im Kreis Lübben wurden Missstände wie hohe Abgabesätze und die Kontrolle von Einzelbauern an Sektorengrenzen deutlich, illustriert durch den Fall einer Bäuerin aus Schönwalde, die mit „Schieber-Vorwurf“ an der Grenze nach West-Berlin aufgegriffen wurde. In Luckau und Königs Wusterhausen führten Verkehrs- und Umweltprobleme (z. B. steigende Verkehrsdichte, Braunkohlenutzung) zu wachsender Unzufriedenheit.
1989 erreichte die politische Krise auch die Kreise. Die Teilnahme an Kreistagssitzungen in Luckau sank deutlich; von 92 Abgeordneten nahmen im Herbst nur noch durchschnittlich 72 teil, einige legten ihr Mandat nieder. In Lübben und Luckau mussten mehrere Ratsmitglieder zurücktreten; der langjährige Vorsitzende Engelbert Müller (Luckau) verlor in einer Vertrauensabstimmung die Unterstützung und trat zum 31. Dezember 1989 zurück.
Die neu gebildeten Runden Tische in Lübben, Luckau und Königs Wusterhausen wurden zu wichtigen Foren des Übergangs. Sie setzten sich paritätisch aus Vertretern der alten Parteien und Massenorganisationen sowie der neuen oppositionellen Gruppen zusammen und berieten über lokale Probleme, ökologische Fragen und die Auflösung der Staatssicherheit. Im Kreis Lübben sprach sich der Runde Tisch ausdrücklich für den Verbleib des Ratsvorsitzenden Siegfried Stattaus bis zu freien Wahlen aus, gleichzeitig aber gegen Gewalt und Verleumdung.
Mit den Kommunalwahlen am 6. Mai 1990 endete die Herrschaft der SED in den Kreisen Lübben, Luckau und Königs Wusterhausen, und die Runden Tische stellten ihre Arbeit ein. Damit waren die Voraussetzungen für eine demokratische, kommunale Selbstverwaltung in der Region Dahme-Spreewald geschaffen.
