Pres­se­mit­tei­lung

2026 / 0192 - 16.10.2026

Landkreis Dahme-Spreewald entwickelt Gesamtkonzept für Kinder aus sucht- und psychisch belasteten Familien

Rund 5.800 Kinder unter 14 Jahren betroffen – Auftaktveranstaltung bringt 80 Akteurinnen und Akteure zusammen

Zu sehen sind die Teilnehmer der Auftaktveranstaltung vom 12. Oktober 2026.

Schätzungsweise jedes fünfte Kind im Landkreis Dahme-Spreewald wächst nach den vorliegenden Angaben in einer Familie auf, die durch eine Suchterkrankung oder psychische Belastung betroffen ist. Das entspricht rund 5.800 Kindern unter 14 Jahren. Um ihre Lebenssituation stärker in den Blick zu nehmen und Unterstützungsangebote nachhaltig zu verbessern, entwickelt der Landkreis als erste von drei Pilotkommunen in Brandenburg ein kommunales Gesamtkonzept. Das Vorhaben ist Teil des Projekts selbstbestimmt der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen e. V. und wird von der Auridis Stiftung gefördert.

Zur Auftaktveranstaltung am 12. Oktober 2026, sind 80 Menschen aus unterschiedlichen Fachbereichen und Institutionen im Funkerbergsaal in Königs Wusterhausen zusammengekommen. Gemeinsam wollen sie Wege finden, um bestehende Hilfsangebote besser zu vernetzen, Versorgungslücken zu erkennen und betroffene Kinder und Familien frühzeitig zu erreichen. Gesundheitskoordinatorin und Projektkoordinatorin Elisa Florstedt moderierte durch das vielfältige Tagesprogramm. Die Teilnehmenden erhielten unter anderem Einblicke in den bisherigen Projektverlauf und in verschiedene Präventionsprogramme. Ein spannender Vortrag ermöglichte den Teilnehmenden einen intensiven Blick auf die Herausforderungen betroffener Kinder zu werfen und zu erfahren, wie diese Kinder gestärkt werden können.

Landrat Sven Herzberger begrüßt die Teilnehmer der Auftaktveranstaltung.

Der Landrat des Landkreises Dahme-Spreewald, Sven Herzberger betonte in seiner Begrüßung, dass die Herausforderungen betroffener Kinder nicht von einer einzelnen Behörde oder einem einzelnen Hilfesystem bewältigt werden können. „Dass wir hier heute aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammengekommen sind, ist bereits ein wichtiges Zeichen. Denn dieses Thema lässt sich nicht von einer einzelnen Stelle, einem einzelnen Amt oder einem einzelnen Hilfesystem lösen“, erklärte Herzberger.

„Kommunale Gesamtkonzepte helfen, Unterstützungsangebote besser zu vernetzen und die Bedürfnisse betroffener Kinder stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Dass der Landkreis Dahme-Spreewald als erste von drei Pilotkommunen in Brandenburg diesen Weg geht, ist ein wichtiger Schritt. Ich freue mich auf gute Gespräche und neue Impulse, um die Unterstützung für Kinder und Familien nachhaltig zu verbessern“, sagte Andrea Hardeling, Geschäftsführerin der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen e. V. in ihrem Grußwort.

Im Landkreis gibt es bereits eine gute Grundlage: Viele Fachkräfte engagieren sich seit Jahren in der Kinder- und Jugendhilfe, im Gesundheitswesen, in der Suchtberatung, in der psychosozialen Versorgung, in Schulen sowie in weiteren Einrichtungen und Netzwerken. Auch die beiden Werkstattgespräche im Rahmen des Projekts selbstbestimmt im Jahr 2024 haben gezeigt, wie wertvoll der fachübergreifende Austausch ist. Mit der Begleitung durch die Brandenburgische Landesstelle für Suchtfragen e. V. und das Projekt selbstbestimmt sowie der Förderung durch die Auridis Stiftung geht der Landkreis nun einen weiteren Schritt, um aus vielen einzelnen Angeboten ein besser miteinander verbundenes Unterstützungssystem zu entwickeln.

Ein wesentlicher Baustein des kommunalen Gesamtkonzepts ist die engere Zusammenarbeit zwischen Jugendamt und Gesundheitsamt. Ziel ist es, bestehende Strukturen und Kompetenzen zusammenzuführen, Zuständigkeitsgrenzen zu überwinden und die Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen langfristig zu verbessern. Denn obwohl zahlreiche Unterstützungsangebote vorhanden sind, fehlt es Betroffenen und teilweise auch Fachkräften an ausreichendem Wissen darüber, welche Hilfen es gibt und wie diese zugänglich sind. Eine bessere Vernetzung soll dazu beitragen, Informationen schneller weiterzugeben, passende Anlaufstellen zu vermitteln und Familien möglichst frühzeitig Unterstützung anzubieten. Dabei geht es nicht allein darum, vorhandene Angebote sichtbar zu machen. Entscheidend ist, die Zusammenarbeit dauerhaft zu etablieren und verbindliche Strukturen zu schaffen, die über einzelne Projekte oder zeitlich begrenzte Maßnahmen hinaus Bestand haben.

Auch die Qualifizierung von Fachkräften spielt eine zentrale Rolle. Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher sowie Mitarbeitende aus Jugendhilfe, Gesundheitswesen und weiteren Arbeitsfeldern benötigen Wissen über die Lebenslagen betroffener Kinder, mögliche Belastungsanzeichen und geeignete Unterstützungsangebote.
Dazu gehören auch Kommunikationsskills, um schwierige Themen sensibel anzusprechen, Vertrauen aufzubauen und Kinder sowie ihre Familien angemessen zu begleiten. Ein sicherer Umgang mit dem Thema kann dazu beitragen, Unsicherheiten abzubauen und frühzeitig passende Hilfen einzuleiten.
Darüber hinaus soll das Bewusstsein in der Bevölkerung für die Situation betroffener Kinder gestärkt werden. Psychische Erkrankungen und Suchterkrankungen sollen stärker als gesellschaftliche Realität wahrgenommen werden, über die offen und ohne Stigmatisierung gesprochen werden kann. Eine solche Normalisierung kann dazu beitragen, Vorurteile und Scham abzubauen und es Familien zu erleichtern, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Kinder und Jugendliche bewegen sich immer mehr in digitalen Lebenswelten. Deshalb ist es wichtig, Unterstützungsangebote auch dort sichtbar und zugänglich zu machen, wo junge Menschen einen großen Teil ihrer Zeit verbringen. Digitale Informations- und Hilfsangebote können eine wichtige Ergänzung zu persönlichen Beratungs- und Unterstützungsangeboten sein. Sie ermöglichen es, Informationen niedrigschwellig bereitzustellen und Betroffene auch dann zu erreichen, wenn sie sich nicht unmittelbar an eine Beratungsstelle oder eine andere Institution wenden möchten.

Das kommunale Gesamtkonzept soll nicht bei einer Bestandsaufnahme oder bei einzelnen Projekten stehen bleiben. Vielmehr geht es darum, die Zusammenarbeit dauerhaft zu sichern, Prävention strukturell zu verankern und langfristig Verantwortung für die Belange betroffener Kinder zu übernehmen. Dafür braucht es neben dem Engagement der Fachkräfte auch ein klares politisches Bekenntnis, verlässliche Rahmenbedingungen und die Bereitschaft, gemeinsam über Zuständigkeitsgrenzen hinweg zu handeln. Die Verstetigung erfolgreicher Ansätze soll sicherstellen, dass die entwickelten Strukturen auch langfristig wirken und betroffenen Familien zugutekommen.