Europa vor Ort: Partner aus Frankreich und Polen in Dahme-Spreewald
Vom 18. bis 21. September 2026 empfing der Landkreis Dahme-Spreewald Delegationen aus der französischen Partnerkommune Cabestany und dem polnischen Powiat Wolsztyński. Im Mittelpunkt des Besuchs standen der fachliche Austausch, die Abstimmung gemeinsamer Vorhaben sowie die Teilnahme an regionalen Veranstaltungen im Norden und Süden des Landkreises.
Grundlage der trilateralen Zusammenarbeit sind ein kontinuierlicher fachlicher Dialog und regelmäßige persönliche Begegnungen. Zu einer festen Tradition hat sich das jährliche Arbeitstreffen der Verwaltungsspitzen rund um das Lübbener Spreewaldfest entwickelt. Es bietet Gelegenheit, bisherige Aktivitäten auszuwerten, laufende Vorhaben abzustimmen und Schwerpunkte für die weitere Zusammenarbeit.
Das diesjährige Besuchsprogramm führte die Gäste zunächst in den Norden des Landkreises. Auf Einladung des Zeuthener Bürgermeisters Philipp Martens nahmen die französischen Gäste am Samstag an der Gedenkveranstaltung zum 90. Jahrestag der Internationalen Brigaden am Spanienkämpferdenkmal auf dem Platz der Demokratie in Zeuthen teil.
Dabei wurde ein Kapitel europäischer Geschichte sichtbar, das auch die französische Partnerregion unmittelbar berührt. Der Spanische Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 und insbesondere die Flucht der spanischen Republikaner nach Frankreich hinterließen tiefe Spuren in den Pyrénées-Orientales, der Heimatregion Cabestanys. 1939 überquerten während der sogenannten „Retirada“ Hunderttausende Menschen die Pyrenäen auf der Flucht vor den franquistischen Truppen. So wurden trotz der geografischen Entfernung historische Verbindungen zwischen den Partnerregionen sichtbar.
„Die Begegnung in Zeuthen hat gezeigt, welchen Mehrwert unsere trilaterale Partnerschaft hat. Trotz der Entfernung entdecken wir historische Verbindungen, aber auch unterschiedliche Perspektiven: Begriffe wie Kommunismus, Widerstand oder internationale Solidarität sind in Deutschland, Frankreich und Polen aufgrund ihrer Geschichte unterschiedlich besetzt. Diese Erfahrungen miteinander ins Gespräch zu bringen, schafft gegenseitiges Verständnis. Genau davon lebt Europa – und darin liegt eine besondere Stärke unserer Partnerschaft“, sagt Landrat Sven Herzberger.
Diese historischen Bezüge werden bereits im Oktober erneut aufgegriffen. Im Rahmen des trilateralen Jugendprojekts „Wir in Europa – Jugend im historischen Dialog“ setzen sich Jugendliche aus den drei Partnerregionen mit historischen Erfahrungen auseinander und gehen gemeinsam der Frage nach, welche Bedeutung diese für das heutige Europa und das friedliche Zusammenleben haben.
Anschließend führte der Besuch in die Gemeinde Schönefeld. Bürgermeister Christian Hentschel begrüßte die Gäste aus Cabestany. Im Gutspark Großziethen nahm die Delegation am Friedensleuchten teil. Licht und Begegnung setzten dort ein gemeinsames Zeichen für Frieden, Verständigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Beteiligung der französischen Partner verlieh diesem Anliegen zugleich eine europäische Dimension.
Am Abend besuchten die Gäste das Oktoberfest am Dorfanger in Schönefeld und erhielten damit einen weiteren Einblick in das kommunale und gesellschaftliche Leben im Norden des Landkreises.
Am Sonntag verlagerte sich das Programm in den Spreewald. Bei einem gemeinsamen Arbeitsgespräch wurden die bisherigen Aktivitäten bilanziert und Vorhaben für die kommenden Monate abgestimmt. Im Mittelpunkt standen insbesondere die weitere Zusammenarbeit in der Jugend- und Bildungsarbeit sowie gemeinsame deutsch-polnisch-französische Projekte.
Den traditionellen Abschluss des Partnerbesuchs bildete der Kahnkorso des Lübbener Spreewaldfestes. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des Kreistages und der Kreisverwaltung präsentierten sich die Partner auf einem eigens gestalteten Partnerschaftskahn. Zwischen regionalen Traditionen und zahlreichen Besucherinnen und Besuchern wurde die deutsch-polnisch-französische Verbundenheit des Landkreises sichtbar. 35. Jahr des Weimarer Dreiecks steht die Begegnung zugleich beispielhaft für die kommunale Umsetzung seiner Grundidee: Europäische Zusammenarbeit findet nicht nur zwischen Regierungen und Institutionen statt. Sie lebt von dauerhaften Beziehungen zwischen Kommunen und Regionen, gemeinsamen Vorhaben und den Menschen, die diese Partnerschaften mit Leben füllen.
